20. Oktober 2020

Das Ei

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Das Ei ist wegen seines Nährwertes ein geschätzes Nahrungsmittel

Ein seines Wohlgeschmackes, seines Nährwertes und seiner vielfältigen Verwendbarkeit wegen sehr geschätztes Nahrungsmittel ist das Ei. Die bei uns hauptsächlich in Betracht kommenden Eier sind die des Huhns, der Ente und der Gans; erstere sind zarter und wohlschmeckender, letztere bedeutend grösser, fetter und haben einen gelberen Dotter. Als Speise für sich sind sie aber weniger geeignet, weshalb sie auch nur zur Zubereitung von Klössen und Nudeln benützt werden. Kiebitz- und Möveneier können auch genossen werden, kommen aber nicht für den täglichen Gebrauch, sondern als Delikatesse in Betracht. Ausserdem sind die Eier oder Rogen einiger Fische,wie Hausen und Stör unter dem Namen „Kaviar“ bekannt. Das Hühnerei, welches durchschnittlich50—60 g wiegt, enthält 6 g Eiweiss, 6,5 g Fett, 32 g Wasser und 0,3 g Salze, der Rest entfällt auf die Schale. Diese besteht hauptsächlich aus Kalk und ist mit unzähligen feinen Poren versehen.
Das Eiweiss ist eine schleimige, durchsichtige Masse, welche durch ein sehr feines, mit blossem Auge unsichtbares Netz aneinanderhängt und die Flüssigkeit in sich einschliesst, welche erst durch das Zerreissen oder Zerschlagen dieses Netzes heraustritt. Das Eigelb oder der Eidotter enthält in grösserer Menge Fett, ebenso Eiweiss, ausserdem Schwefel, Eisen, Phosphor und andere Salze. Der Eidotter ist gleich dem Eiweiss von einem feinen Häutchen umschlossen, weshalb beide gut geteilt werden können. Man verwendet die Eier zu selbständigen Gerichten oder als Zutat zu anderen Speisen, ferner als Bindemittel zu Klössen aller Art. Das zu Schnee geschlagene Eiweiss dient als Lockerungsmittel vieler Gerichte. Auch zum Klären von Sulzen und als Klebemittel findet dasselbe Verwendung. Als alleiniges Gericht unterscheidet man zwei Zubereitungsarten, das Kochen und das Backen. Zum Kochen der Eier nehme man nur reines Wasser, da durch die Poren der Schale die Flüssigkeit eindringt und die Eier jeden fremden Geschmack annehmen. Dasselbe ist auch beim Färben der Ostereier der Fall, weshalb nu giftfreie Farben verwendet werden dürfen. Rohe Eier mit Zucker, Wein, Kognak oder Fleischbrühe verrührt, geben eine nahrhafte Krankenspeise. Frische Eier sind ganz voll, dehnt sich beim Kochender Inhalt aus, so zerplatzt die Schale. Um dem vorzubeugen, erwärmt man sie vorher in warmem Wasser. Im Winter können die Eier leicht gefrieren; um sie aufzutauen, legt man sie in kaltes Wasser. Den Eierschnee verwendet man, um feine Speisen und Backwerk locker zu machen. Man gewinnt ihn, indem man Dotter und Eiweiss trennt und letzteres in einer Schüssel mit dem Schneebesen oder einer Gabel schlägt. Der Zweck des Schlagens ist, die feinen Häutchen des Eiweisses zu zerreissen und die einzelnen Zellchen mit Luft zu füllen. In Zugluft wird das Steif werden des Eiweisses am schnellsten bewirkt, da in diesem Fall die sich bildenden Bläschen die Luft sehr rasch einschliessen. Die Eier sind selbstverständlich um so wohlschmeckender, je frischer sie sind. Man muss deshalb die Unterscheidungsmerkmale frischer und älterer Eier kennen. Frisch ist ein Ei, wenn es gegen das Licht gehalten, durchscheinend ist. Auch darf ein frisches Ei beim Schütteln nicht schwappeln, weil ein solches noch vollständig voll ist. Bei älteren Eiern ist die darin enthaltene Flüssigkeit durch die Poren der Schale verdunstet, infolgedessen ein leerer Raum entsteht und so das Schwappeln der Eier verursacht wird. Bekanntlich find die Eier im Frühjahr und Sommer bedeutend billiger als im Winter, und deshalb sollte man sich in ersteren Jahreszeiten den Wintervorrat einlegen; denn die Eier können längere Zeit frisch erhalten werden, wenn sie zweckmässig anfbewahrt werden. Es kommt vor allem darauf an, sie von der Luft abzuschliessen, da diese die Ursache der Zersetzung des Eiweisses ist, indem sie durch die Poren der Schale eindringt. Man legt zu diesem Zweck die Eier in Kalkwasser oder Wasserglas (Frühjahrseier), Spreu, Kleie oder Holzasche, getrocknetes Salz (Septembereier). Bewahrt man kleinere Vorräte auf Eierständern auf, muss man sie ab und zu umwenden, da der schwere Dotter das Eiweiss durchbricht, sich an der Schale festsest und somit die Zersetzung bewirkt. Man kann den Inhalt der Eier auch durch Bestreichen der Schale mit Öl, Paraffin oder ähnlichen Stoffen von der Luft abschliessen, doch ist dieses Verfahren deshalb weniger empfehlenswert,

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